Versicherungen sind ein Thema, bei dem Emotionen und Verkaufsinteressen oft die Rationalität verdrängen. Versicherungsvertreter verdienen an Abschlüssen, Vergleichsportale an Klicks. Das Ergebnis: Viele Familien sind überversichert in Bereichen, die sie kaum treffen würden, und gleichzeitig unterversichert dort, wo es wirklich wehtut.

Die Frage ist nicht "Welche Versicherungen kann ich abschließen?" sondern: "Welche Risiken kann ich selbst tragen, und welche nicht?" Daraus ergibt sich eine klare Hierarchie.

Die Pflicht: Diese drei sind nicht verhandelbar

Unbedingt notwendig

1. Private Haftpflichtversicherung (Familientarif)

Wenn du oder dein Kind versehentlich jemand anderem einen Schaden zufügst, haftest du unbegrenzt mit deinem gesamten Vermögen. Eine Haftpflicht ist die günstigste und wichtigste Versicherung, die es gibt.

Worauf achten: Familientarif mit mindestens 10 Mio. € Deckungssumme, Forderungsausfalldeckung inklusive. Kosten: 60–100 € pro Jahr. Wer mehr zahlt, hat den falschen Tarif.
Unbedingt notwendig

2. Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Jeder vierte Arbeitnehmer scheidet vor der Rente wegen Krankheit oder Unfall aus dem Beruf aus. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in den meisten Fällen nicht zum Leben. Eine BU ist für den Hauptverdiener einer Familie kein Luxus.

Worauf achten: Mindestens 70–80 % des Nettoeinkommens absichern. Abstrakte Verweisung ausschließen. Je früher abgeschlossen, desto günstiger. Wer gesundheitliche Vorerkrankungen hat: Erst beraten lassen, bevor irgendwo ein Antrag gestellt wird.
Unbedingt notwendig

3. Risikolebensversicherung

Wenn jemand finanziell von dir abhängt, gehört eine Risikolebensversicherung dazu. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen. Günstiger als die meisten denken.

Worauf achten: Faustformel: 3–5 Jahresgehälter als Versicherungssumme. Laufzeit bis die Kinder auf eigenen Füßen stehen oder der Kredit abbezahlt ist. Zwei Verträge über Kreuz können sinnvoll sein, wenn beide Elternteile berufstätig sind.

Sinnvoll, aber nicht für jeden

Diese Versicherungen können je nach Lebenssituation viel Sinn machen. Sie sind aber keine Pflicht.

Situationsabhängig

Hausratversicherung

Schützt deinen Hausrat bei Einbruch, Brand, Wasserschäden und Naturereignissen. Sinnvoll bei eigenem Hausstand mit nennenswertem Inventar. Wer wenig hat oder Mieter ohne wertvolle Einrichtung ist, kann abwägen.

Worauf achten: Versicherungssumme pro m² prüfen, Unterversicherungsverzicht vereinbaren.
Situationsabhängig

Rechtsschutzversicherung

Deckt Anwalts- und Gerichtskosten. Besonders sinnvoll bei Mietverhältnissen, Arbeitsverhältnissen mit Konfliktpotenzial oder selbstständiger Tätigkeit. Im Familienpaket oft überschaubar.

Worauf achten: Wartezeiten beachten. Nicht abschließen, wenn ein Konflikt bereits absehbar ist.
Situationsabhängig

Unfallversicherung für Kinder

Sinnvoll, wenn keine BU für Kinder angedacht ist und ihr das Invaliditätsrisiko absichern wollt. Kinder sind über die gesetzliche Unfallversicherung nur auf dem Schulweg und in der Kita versichert, nicht in der Freizeit.

Worauf achten: Progression von mindestens 350 % vereinbaren. Invaliditätsgrundsumme realistisch wählen.
Situationsabhängig

Zahnzusatzversicherung

Lohnt sich, wenn ihr regelmäßig zum Zahnarzt geht und Wert auf hochwertigen Zahnersatz legt. Bei gesunden Zähnen und keiner Familiengeschichte mit teuren Behandlungen ist der Nutzen begrenzt.

Worauf achten: Wartezeiten und Staffelleistungen im ersten Jahr genau lesen. Viele Tarife zahlen im ersten Jahr nur einen Bruchteil.

Was du weglassen kannst

Diese Versicherungen werden häufig verkauft, aber selten gebraucht:

Hinweis Dieser Artikel ist eine allgemeine Orientierungshilfe und ersetzt keine individuelle Beratung. Ob eine Versicherung für dich sinnvoll ist, hängt von deiner konkreten Situation ab: Einkommen, Gesundheitszustand, Familienstruktur, bestehende Verträge.

Wie du vorgehst

Mein Vorschlag für einen strukturierten Check:

Schritt 1: Liste alle bestehenden Versicherungen mit Jahresbeitrag auf. Oft zahlen Familien 2.000–4.000 € pro Jahr für ein Sammelsurium aus sinnvollen und überflüssigen Verträgen.

Schritt 2: Prüf die drei Pflichtversicherungen. Haftpflicht vorhanden und aktuell? BU abgesichert? Risikolebensversicherung wenn nötig?

Schritt 3: Streich, was du selbst tragen kannst. Die freigewordenen Beiträge fließen in den Notgroschen oder den Sparplan.

Schritt 4: Bestehende Verträge prüfen. Oft lassen sich bessere Tarife finden, ohne den Schutz zu verschlechtern.

Wenn du das strukturiert durchgehen möchtest, können wir das in einem Gespräch gemeinsam machen.

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