Versicherungen sind ein Thema, bei dem Emotionen und Verkaufsinteressen oft die Rationalität verdrängen. Versicherungsvertreter verdienen an Abschlüssen, Vergleichsportale an Klicks. Das Ergebnis: Viele Familien sind überversichert in Bereichen, die sie kaum treffen würden, und gleichzeitig unterversichert dort, wo es wirklich wehtut.
Die Frage ist nicht "Welche Versicherungen kann ich abschließen?" sondern: "Welche Risiken kann ich selbst tragen, und welche nicht?" Daraus ergibt sich eine klare Hierarchie.
Die Pflicht: Diese drei sind nicht verhandelbar
1. Private Haftpflichtversicherung (Familientarif)
Wenn du oder dein Kind versehentlich jemand anderem einen Schaden zufügst, haftest du unbegrenzt mit deinem gesamten Vermögen. Eine Haftpflicht ist die günstigste und wichtigste Versicherung, die es gibt.
2. Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
Jeder vierte Arbeitnehmer scheidet vor der Rente wegen Krankheit oder Unfall aus dem Beruf aus. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in den meisten Fällen nicht zum Leben. Eine BU ist für den Hauptverdiener einer Familie kein Luxus.
3. Risikolebensversicherung
Wenn jemand finanziell von dir abhängt, gehört eine Risikolebensversicherung dazu. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen. Günstiger als die meisten denken.
Sinnvoll, aber nicht für jeden
Diese Versicherungen können je nach Lebenssituation viel Sinn machen. Sie sind aber keine Pflicht.
Hausratversicherung
Schützt deinen Hausrat bei Einbruch, Brand, Wasserschäden und Naturereignissen. Sinnvoll bei eigenem Hausstand mit nennenswertem Inventar. Wer wenig hat oder Mieter ohne wertvolle Einrichtung ist, kann abwägen.
Rechtsschutzversicherung
Deckt Anwalts- und Gerichtskosten. Besonders sinnvoll bei Mietverhältnissen, Arbeitsverhältnissen mit Konfliktpotenzial oder selbstständiger Tätigkeit. Im Familienpaket oft überschaubar.
Unfallversicherung für Kinder
Sinnvoll, wenn keine BU für Kinder angedacht ist und ihr das Invaliditätsrisiko absichern wollt. Kinder sind über die gesetzliche Unfallversicherung nur auf dem Schulweg und in der Kita versichert, nicht in der Freizeit.
Zahnzusatzversicherung
Lohnt sich, wenn ihr regelmäßig zum Zahnarzt geht und Wert auf hochwertigen Zahnersatz legt. Bei gesunden Zähnen und keiner Familiengeschichte mit teuren Behandlungen ist der Nutzen begrenzt.
Was du weglassen kannst
Diese Versicherungen werden häufig verkauft, aber selten gebraucht:
Handyversicherung, Garantieverlängerungen, Reisegepäckversicherung
Alles Versicherungen für Risiken, die du gut selbst tragen kannst. Ein Smartphone kostet 800 €. Eine Garantieverlängerung über 3 Jahre kostet 150 €. Leg das Geld lieber auf die Seite.
Sterbegeldversicherung
Weit verbreitet, aber teuer für das, was sie leistet. Die Beiträge übersteigen meist die Leistung. Eine kleine Rücklage oder die Risikolebensversicherung erfüllt denselben Zweck besser.
Kapitallebensversicherung
Versicherung und Altersvorsorge in einem klingt praktisch, funktioniert aber selten gut. Die Renditechancen sind gering, die Flexibilität ist eingeschränkt. Besser: Risikolebensversicherung für die Absicherung, ETF-Sparplan für den Vermögensaufbau.
Wie du vorgehst
Mein Vorschlag für einen strukturierten Check:
Schritt 1: Liste alle bestehenden Versicherungen mit Jahresbeitrag auf. Oft zahlen Familien 2.000–4.000 € pro Jahr für ein Sammelsurium aus sinnvollen und überflüssigen Verträgen.
Schritt 2: Prüf die drei Pflichtversicherungen. Haftpflicht vorhanden und aktuell? BU abgesichert? Risikolebensversicherung wenn nötig?
Schritt 3: Streich, was du selbst tragen kannst. Die freigewordenen Beiträge fließen in den Notgroschen oder den Sparplan.
Schritt 4: Bestehende Verträge prüfen. Oft lassen sich bessere Tarife finden, ohne den Schutz zu verschlechtern.
Wenn du das strukturiert durchgehen möchtest, können wir das in einem Gespräch gemeinsam machen.
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