Wenn eine junge Familie über Finanzen redet, geht es meistens um Sparen, Anlegen, Altersvorsorge. Was selten vorkommt: die Frage, was passiert, wenn das Einkommen plötzlich wegfällt. Nicht weil man den Job wechselt oder kündigt, sondern weil man schlicht nicht mehr arbeiten kann.
Berufsunfähigkeit trifft statistisch jeden vierten Deutschen im Laufe des Berufslebens. Psychische Erkrankungen, Rückenprobleme, Krebs, Unfälle: Die häufigsten Ursachen sind keine Extremszenarien, sie sind Alltag. Für eine Familie mit Kindern, die auf ein oder zwei Einkommen angewiesen ist, kann das existenzbedrohend sein.
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die viele als Rückfallnetz sehen, zahlt im Durchschnitt rund 950 Euro im Monat. Das reicht für eine Familie mit Kindern, Miete und laufenden Kosten in den meisten Fällen nicht annähernd.
Was der Staat zahlt – und was er nicht zahlt
Viele verlassen sich auf den staatlichen Schutz. Das ist verständlich, aber riskant. Die gesetzliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit hat zwei grundlegende Probleme.
Erstens greift die volle Erwerbsminderungsrente erst, wenn jemand weniger als drei Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen kann, nicht dem eigenen Beruf, sondern irgendeiner Tätigkeit am Markt. Wer als Architekt wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht mehr am Schreibtisch sitzen kann, aber theoretisch noch als Pförtner arbeiten könnte, bekommt unter Umständen keine volle Rente.
Zweitens sind die Beträge gering. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente liegt bei rund 950 Euro monatlich. Wer noch keine langen Einzahlzeiten hat, also jung ins Berufsleben gestartet ist, bekommt noch deutlich weniger.
Familie mit 1 Kind, Hauptverdiener fällt aus
1.850 Euro Lücke jeden Monat, über Jahre, eventuell Jahrzehnte. Ohne eigenes Vermögen oder Partner mit ausreichend Einkommen ist das nicht auffangbar. Eine BU-Versicherung schließt genau diese Lücke.
Was eine BU-Versicherung leistet
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine monatliche Rente, wenn die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Nicht irgendeine Tätigkeit, sondern den eigenen Beruf. Das ist der entscheidende Unterschied zur gesetzlichen Rente.
Die Höhe der Rente legt man selbst fest, beim Abschluss der Police. Die Rente wird ab dem Eintritt der Berufsunfähigkeit gezahlt, befristet bis zum vereinbarten Endalter, in der Regel bis 67. Das Geld kommt unabhängig davon, ob man theoretisch einer anderen Tätigkeit nachgehen könnte.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Faustregel gilt: mindestens 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens. Das klingt viel, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass Miete, Kredite und laufende Kosten einer Familie sich im Fall der Berufsunfähigkeit nicht automatisch reduzieren.
Für einen Hauptverdiener mit 3.500 Euro netto sind das 2.450 bis 2.800 Euro monatliche BU-Rente. Viele unterschätzen diesen Betrag und versichern sich zu niedrig, weil die Prämie dadurch günstiger wirkt. Im Ernstfall zahlt man dafür.
Günstige Prämie bedeutet oft zu niedrige Rente, schlechte Bedingungen, oder beides. Die Prämie allein sagt nichts über die Qualität der Police aus. Die Vertragsbedingungen sind entscheidend, nicht der Monatsbeitrag.
Worauf es bei den Vertragsbedingungen ankommt
BU-Policen unterscheiden sich erheblich in den Bedingungen. Diese vier Punkte sind die wichtigsten:
| Kriterium | Was ihr sucht | Was ihr vermeidet |
|---|---|---|
| Berufsunfähigkeitsdefinition | Bezug auf den zuletzt ausgeübten Beruf in seiner konkreten Ausgestaltung | Abstrakte Verweisung auf andere Berufe möglich |
| Prognosezeitraum | Leistung ab 6 Monaten voraussichtlicher BU-Dauer | Prognosezeitraum von 36 Monaten (zu lang) |
| Nachversicherungsgarantie | Rente ohne Gesundheitsprüfung erhöhen bei Heirat, Geburt, Gehaltserhöhung | Keine oder stark eingeschränkte Nachversicherungsoption |
| Weltweiter Schutz | Leistung auch bei BU im Ausland | Einschränkungen auf Deutschland oder Europa |
Wann abschließen – und warum so früh wie möglich
Der optimale Zeitpunkt für eine BU-Versicherung ist gesund, jung und ohne Vorerkrankungen. Jedes Jahr, das man wartet, erhöht das Risiko, dass eine Erkrankung in der Gesundheitsprüfung auftaucht und entweder zu Ausschlüssen führt oder die Versicherung ganz verweigert.
Wer jung abschließt, hat außerdem einen niedrigeren Beitrag, der über die gesamte Laufzeit konstant oder schwach ansteigend bleibt. Ein 28-Jähriger zahlt deutlich weniger als ein 38-Jähriger für die gleiche Absicherung.
Eine Familienplanung mit Kindern ist ein guter Anlass, das Thema BU konkret anzugehen. Ab diesem Zeitpunkt hängt die finanzielle Sicherheit mehrerer Menschen am eigenen Einkommen. Das Risiko, das man vorher vielleicht als persönliches eingestuft hat, ist jetzt ein Familienrisiko.
Was eine BU-Versicherung kostet
Die Prämie hängt von Alter, Gesundheitszustand, Beruf, Rentenhöhe und Laufzeit ab. Büroberufe zahlen deutlich weniger als körperlich tätige Berufe. Ein 30-jähriger Verwaltungsangestellter mit 1.500 Euro monatlicher BU-Rente bis 67 zahlt grob 50 bis 80 Euro im Monat. Ein gleichaltriger Handwerker mit gleicher Rente zahlt das Doppelte oder mehr.
Wer die BU-Prämie als zu teuer empfindet, sollte die Frage umkehren: Was kostet es, keine BU zu haben? Eine Einkommenslücke von 1.800 Euro im Monat über 30 Jahre ergibt rund 650.000 Euro. Dagegen sind 80 Euro im Monat ein anderes Verhältnis.
Checkliste: Das braucht ihr vor dem Abschluss
- Bruttogehalt und Nettoeinkommen kennen (für die Rentenhöhe)
- Alle relevanten Vorerkrankungen der letzten 5–10 Jahre zusammenstellen (Arztbesuche, Diagnosen, Krankschreibungen)
- Anonym voranfragen, bevor ihr einen offiziellen Antrag stellt (Ablehnung wird registriert)
- Mindestens drei Angebote vergleichen, Bedingungen nicht nur die Prämie
- Nachversicherungsoptionen für Geburten und Gehaltserhöhungen prüfen
- Laufzeit bis 67 vereinbaren, nicht bis 60 oder 63
Wer nicht weiß, wo anfangen, und sich durch den Dschungel aus Bedingungen, Prämien und Anbietern nicht selbst kämpfen möchte: Im Erstgespräch kann ich helfen, die Situation einzuschätzen und zu entscheiden, ob und wie viel BU für euch sinnvoll ist.
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